Einleitung
Informationen liegen oft im Verborgenen. Mit dem Internet kommen sie ans Tageslicht, denn nie war es einfacher Informationen zu veröffentlichen. So geschieht dies mit dem folgenden Einblick in die Geschichte von Wichsenstein. Warum schreiben wir über Wichsenstein? Vor der Gemeindereform gehörte Hardt teilweise zu Wichsenstein und war schon immer während der Jahrhunderte miteinander verwoben.
Die folgende Information erschien als ein kleines Büchlein im Eigenverlag. Verfasser ist Georg Knörlein, Herausgeber Johann Pöhlmann. Das Buch hat den Titel “Wichsenstein. Kleiner Führer durch die Geschichte des Ortes, der Pfarrei und des Gotteshauses St. Erhard. Wichsenstein”. Die darin enthaltenen Informationen sind einzigartig, denn nie zuvor hat sich jemand die Mühe gemacht, Informationen aus verschiedenen Quellen zusammen zu tragen. Das Büchlein wurde gescannt, ge-ocr-t und wird nun hier veröffentlicht. November 2005
Geleitwort des Herausgebers (Johann Pöhlmann)
Schon bei meinem ersten Besuch in Wichsenstein faszinierte mich der grandiose Fels mitten im Ort, an den sich das schmucke Kirchlein und die Häuser anschmiegten. Die Liebe und glückliche Umstände ermöglichten, dass ich später hier wohnhaft wurde.
Die Geschichte des Ortes und der Kirche interessierte mich. Bei der Wiederbegründung des örtlichen Fränkische-Schweiz-Vereins (FSV) übergab mir dessen ehemaliger Vorsitzender, Herr Gastwirt Hans Greller, einige Unterlagen und bat mich, über Wichsenstein eine Art
“Ortschronik“ zu erstellen.
Sein Anliegen verwirklichte nunmehr mein Sangesfreund, Herr Georg Knörlein
(Kirchehrenbach), wofür ich herzlich Dank sage.
Leider durfte der große Heimatfreund Hans Greller, welcher 1994 verstarb, die
Veröffentlichung nicht mehr erleben. Ihm sei deshalb das vorliegende Heft
gewidmet.
Die Herausgabe ermöglichten durch Ihre Spenden:
* Georg Bauernschmitt, Agentur Deutscher Herold, Sattelmannsburg 4
* Wolfgang Stanger, Agentur Volksfürsorge, Wichsenstein
* Hans Greller, Gasthaus Bergwirt, Wichsenstein
* Gerhard Schwalb, Fa. Schwalb + Werner, Wichsenstein
Herzlichen Dank!
Johann Pöhlmann 91327 Gößweinstein/Hardt
Anmerkung des Verfassers (Georg Knörlein)
Die Ausführungen dieses heimatkundlichen Heftes fußen überwiegend auf der im Anhang angegebenen Literatur. Die abwechslungsvolle Geschichte Wichsensteins schlummert als
weitgehend ungehobener Schatz weiterhin in den verschiedenen Archiven. Jubiläen
örtlicher Vereine wären meines Erachtens der gegebene Anlass, sie zumindest teilweise
zu heben.
Georg Knörlein Lehrer + Kreisarchivpfleger, 91356 Kirchehrenbach
Foto des Titelbildes: Heinz Mayer Wichsenstein
Georg KNÖRLEIN: Wichsenstein. Kleiner Führer durch die Geschichte des Ortes, der Pfarrei und
des Gotteshauses St. Erhard. Wichsenstein: Johann Pöhlmann, 1995.
2te neu gesetzte
Auflage 2005
WICHSENSTEIN
Marktgemeinde Gößweinstein Landkreis Forchheim/Oberfranken Kleiner Führer durch die Geschichte des Ortes, der Pfarrei und des Gotteshauses St. Erhard
Ortsgeschichte
Die Ortschaft Wichsenstein gruppiert sich um den rund 588 m hohen Wichsenstein, einen markanten Aussichtspunkt der Fränkischen Schweiz. Die Umgebung des hochragenden
Felsblockes bot beste Voraussetzungen zur Anlage einer Burg.
So nennt eine Urkunde Bischofs Otto des Heiligen aus dem Jahre 1122 einen Eberhard
de (von) Wikkeristein als Zeugen. Vermutlich hat dessen Vater Witger geheißen
und den ersten wehrhaften Bau errichten lassen.
Die rund um das Felsmassiv entstehende bäuerliche Siedlung übernimmt im Laufe der Zeit den Namen der Burg, die erstmals im Jahre 1310 erwähnt wird. Ihre Inhaber bestimmen über
Jahrhunderte das Schicksal des Ortes.
Die Bischöfe von Bamberg als Landesherren suchen dem Bistum im 14. und 15. Jahrhundert Lehensrechte an der freieigenen Burg zu sichern, indem sie ihre Besitzer finanziell unterstützen. Die Zerstörung der Burg durch Bischof Albrecht im Jahre 1421 steht offensichtlich
im Zusammenhang mit dem Überfall eines Hans von Wichsenstein auf Kaufleute. 1436
erscheint sie als bambergsches Lehen und ist bereits wieder aufgebaut. Die
militärische Geländeerkundung der Reichsstadt Nürnberg aus dem Jahre 1504
spricht von einem Perkschlos. Nach 1507 enden alle Belehnungen mit der
Burg Wichsenstein. Eine Karte des 16. Jahrhunderts zeigt die Veste nur noch als
Ruine. Eventuell haben die Ereignisse des Bauernkrieges 1525 zu ihrer
endgültigen Zerstörung geführt.
Das Rittergut Wichsenstein verfügt zu Beginn des 17. Jahrhunderts neben einem stattlichen Eigenbesitz von 92 Morgen Wald und 10 Tagwerk Wiesen auch über Fisch-, Jagd- und Zehntrechte. Zu ihm gehören außerdem als Lehensbesitz ein Hof und zwei Gütlein in
Wichsenstein, der Uhleinshof und ein Gut in Altenthal, ein Hof und zwei Güter
in Untermorschreuth, vier Güter, eine Schenkstatt und eine Schmiede in Urspring
sowie zwei Gütlein in Sattelmannsburg. 1606 stirbt Georg von Wichsenstein als
letzter seines Geschlechts, Stammes und Namens. Während seine Bambergschen
Lehen 1607 vom Hochstift an Ott Wilhelm und Wolf Christoph von Gebsattel, zwei
Verwandte des regierenden Fürstbischofs, vergeben werden, erbt Georgs
unverheirateter Neffe Ernst von Wiesenthau auf Hundshaupten das Rittergut
Wichsenstein.
Nach dessen Tode im Jahre 1613 gelangt es an seine Schwester Cordula von Wiesenthau. Sie war 1609 zu Moggast von Wilhelm Albert, dem lutherischen Prädikanten in Wichsenstein und späteren Pfarrer in Kunreuth, mit Georg Bernhard von Dürlingen auf Traubenbach und Dürlingstein getraut worden.
Aus finanziellen und gesundheitlichen Gründen veräußert sie 1615 die ihr eigentümliche Pfarrei Moggast mit dem Patronatsrecht und allen anderen pfarrlichen Rechten samt dem Pfarr-, Schul- und Mesnerhaus sowie dem Kirchweihschutz für 500 fl. fränk. an Georg Sebastian Stiebar von Buttenheim zu Pretzfeld. Am 27.3. des gleichen Jahres haben sie und ihre Schwester Eva von Ernberg eine Jahrtagstiftung für die Eltern Wilhelm und Anna von Wiesenthau sowie den Bruder Ernst von Wiesenthau in der Pfarrkirche Kirchehrenbach mit einem Kapital von 200 Gulden ausgestattet
Am 17. März 1621 stirbt Cordula von Dürlingen und wird in Kirchehrenbach bestattet, wo die Hundshauptener Linie der Herren von Wiesenthau ihr Erbbegräbnis hatte und wo auch ihre am 16. Februar des gleichen Jahres verstorbene Schwester Eva von Ernberg beerdigt worden war.
Die Erben veräußern mit Urkunde vom 24. November 1621 das total verschuldete freieigene Rittergut mit allen Rechten und Einkommen an das Hochstift Bamberg. Die fürstliche Obereinnahme in Bamberg entleiht sich zu diesem Zweck 6000 Gulden aus der Kasse des Gotteshauses Gößweinstein. Zinszahlungen für dieses Kapital gehen nur sehr unregelmäßig ein und bleiben ab 1644 schließlich ganz aus. Wichsenstein mit seinem grundherrlichen Besitz bildet in der Folgezeit einen eigenen Amtsbezirk, der vom Amt Wolfsberg aus verwaltet wird, das seinerseits durch den Amtmann in Gößweinstein mitbetreut wird. Im Jahre 1801 zählt man in
Wichsenstein an Gebäuden neben der Pfarrkirche ein Pfarr-, ein Schul- und ein Gemeindehirtenhaus, 11 andere Häuser und 10 Städel, die dem Hochstift Bamberg steuerbar sind, sowie 8 Anwesen, die zum Rittergut Pretzfeld gehören.
Uhleinshof, das mit Wichsenstein eine Gemeinde bildet, umfasst vier mit Haus und Stadel bebaute Güter sowie ein gräflich seinsheimisches Gut. Altenthal hat einen Bambergschen Untertan, der ein mit Haus und Stadel bebautes Zinsgut innehat, sowie einen Seckendorfischen häuslichen Untertan.
Nach dem Übergang des Hochstifts Bamberg an Bayern (1802/03) wird Wichsenstein dem Sprengel des Landgerichtes Pottenstein zugeteilt Als 1862 die Verwaltung von der Rechtspflege getrennt wird, vereinigt man die Gebiete der bisherigen Landgerichte Pottenstein und Pegnitz
zum Bezirksamt Pegnitz. 1938 werden die Bezirksämter in Landkreise umbenannt. Im Zuge der Landkreisreform kommt 1972 die Gemeinde Wichsenstein zum Landkreis Forchheim. Die gemeindliche Selbständigkeit Wichsensteins endet am 1.5.1978 mit der Eingliederung in den Markt Gößweinstein.
Pfarrgeschichte
Wichsenstein gehörte ursprünglich zum ausgedehnten Sprengel der Großpfarrei Pretzfeld. Der erste Schritt zur Loslösung vollzieht sich im Jahre 1372. Am 11. Oktober dieses Jahres bestätigt Bischof Ludwig die Stiftung einer ewigen Messe, welche der Ritter Konrad und andere von Wichsenstein von ihren eigenen Gütern zur Ehre Gottes und Mariens in der Kapelle der Burg Wichsenstein für ihr, ihrer Voreltern und aller Christgläubigen Seelenheil neugegründet und dotiert haben; die Güter sind der Kapelle und ihrem Kaplan übergeben und unwiderruflich unter Lebenden geschenkt worden. Er erklärt das Kaplaneibenefizium für ein kirchliches Kuratbenefizium, nimmt dessen jetzige und künftige Güter von jeder Laiengewalt aus, macht es der kirchlichen Immunität teilhaftig und sichert ihm den bischöflichen Schutz zu.
Die Stiftung ist ausgestattet mit den Einkünften aus dem halben Zehnten zu Burggaillenreuth, von einem Anwesen in Bieberbach, von einem Gut in Morschreuth sowie von Ackern in der Nähe der Burg Wichsenstein. Der Bischof räumt dem jeweiligen Geschlechtsältesten derer von Wichsenstein das Recht ein, nach Erledigung des Benefiziums einen würdigen Mann, der Priester ist oder es binnen eines Jahres wird, dem Bischof als Nachfolger zu präsentieren. Dieser hat sich dem Pfarrer in Pretzfeld zu stellen und von ihm die Vollmacht zu erlangen, in seinem Auftrag die Leute beiderlei Geschlechtes castri (=in der Burg) et suburbiorum (=in dem darunter liegenden Ort) am Berge, in Muelichshof (= Ühleinshof) und in Altenthal samt ihren Familien mit den Sakramenten der Taufe, der Eucharistie und der letzten Ölung zu versehen. Der Pfarrer in Pretzfeld wird zu allem seine Zustimmung geben, der Kaplan wird aber geloben, die Rechte des
Pfarrers zu achten und nach Kräften zu fördern. Die Verstorbenen der Burg erhalten ihr Begräbnis in Pretzfeld, soweit sie es nicht anderwärts frei erwählen.
Sodann bestimmt die Urkunde, dass die Opfer in der Kapelle dem Kaplan gehören sollen, da die übrigen Einkünfte oder 2 Pfund Heller dem Pfarrer zugewiesen sind. Der Pfründeinhaber hat keinen Einspruch zu erheben, wenn die Bewohner der Burg oder ihrer Umgebung den Pfarrer von Pretzfeld oder seine Hilfsgeistlichen zum Beichten aufsuchen. Abschließend bestimmt Bischof Ludwig, dass der Wichsensteiner Kaplan jede Woche in Wichsenstein drei Messen zu lesen hat 1374 erfolgt erneut eine Stiftung an die Kapelle.
In den folgenden Jahrzehnten scheint sich die Burgkaplanei zu einer weitgehend selbständigen
Pfarrei fortentwickelt zu haben, was offensichtlich durch die weite Entfernung zur Mutterpfarrei Pretzfeld und von der Stifterfamilie entscheidend begünstigt worden ist Am 20. Oktober 1400 kommt die Kapelle erneut in den Genuss einer Gültschenkung; dabei wird erstmals ein pfarher zu Wichsenstein erwähnt, der die Nutznießung davon haben soll. In einem Steuerregister von 1421 ist der plebanus (= Pfarrer) zu Wichsenstein mit 2 Gulden veranlagt, desgleichen wird 1440 neben dem Gotteshaus ein Pfarrer zu Wichsenstein erwähnt Nach der militärischen Geländeerkundung der Reichsstadt Nürnberg vom Jahre 1504 hat Wichsenstein ein pfarr. Eine förmliche Pfarrerhebung ist allerdings nie erfolgt Noch 1624 berichtet der Pretzfelder Pfarrer Agricola, dass Wichsenstein, Affalterthal und Moggast eigenmächtig zu Pfarreien erhoben worden seien.
Seit dem zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts wird die benachbarte Pfarrei Moggast, deren Patronat die Herren von Wichsenstein von den Egloffsteinern übernommen hatten, von Wichsenstein aus mitbetreut. Die Quellen berichten, dass sich die Patronatsherren in dieser Zeit immer wieder am Kirchenbesitz vergreifen, indem sie z.B. Lehensgüter des Gotteshauses verkaufen oder selbst den Zehnten zu Burggaillenreuth beanspruchen. Wie andernorts auch, begünstigt der Ortsadel die Einführung der reformierten Lehre, indem er die Pfarrstelle ohne Einschaltung des Bamberger Bischofs mit ihren Anhängern besetzen lässt So wendet sich schließlich nahezu die gesamte Bevölkerung dem Luthertum zu. Die wenigen Katholiken schlichen verstohlen und verkleidet nach Gößweinstein.
Schon 1618, Jahre vor dem Ankauf des Rittergutes durch das Hoch- stift Bamberg, hat sich der Gößweinsteiner Pfarrer Johann Daucher mit Erfolg bemüht, der Besitzerin Cordula von Dürlingen bei der Verpfändung ihrer Güter behilflich zu sein und ihr dafür Gelder des Gößweinsteiner Gotteshauses zu beschaffen (1618: 2550 fl.; 1619: 610 II.; 1621: 3999 fl.). Er, der seit Jahresanfang den allerhöchsten Auftrag hat, im geheim alle Mittel zu suchen, die verkaufte Pfarrei Moggast – es kost auch, was es will – zurück zu erwerben, kann die verarmte Adelige 1620 sogar dazu bewegen, Georg Sebastian Stiebar den Rückkauf der Pfarrei Moggast anzubieten. Dieses Ansinnen weist der Pretzfelder Schlossherr aber erwartungsgemäß zurück.
Der Abschluss des Kaufvertrages (1621) durch das Hochstift Bamberg markiert den Beginn der Gegenreformation in Wichsenstein. Das Besetzungsrecht für die Pfarrei bietet dabei den entscheidenden Ansatzpunkt So verlässt der letzte Prädikant Johann Müller spätestens mit dem Tode der Patronatsherrin das Wichsensteiner Pfarrhaus und siedelt nach Moggast über, wo er am Bartholomäustag 1622 nur dadurch seiner drohenden Verhaftung entgeht, dass er mit Bauernkleidern angetan vor dem Ebermannstädter Vogt nach Pretzfeld flieht. Pfarrer Daucher übernimmt sofort nach dem Abzug des evangelischen Geistlichen die Verwesung der Pfarrei Wichsenstein. Nach langem Bitten erhält er 1622 zu seiner Unterstützung den Neupriester Johann Dötzer als Kaplan, der im nämlichen Jahr auch offiziell zum Pfarrverweser für Wichsenstein bestellt wird. Er versieht zunächst die Pfarrei von Gößweinstein aus, ehe er 1623 endgültig ins Wichsensteiner Pfarrhaus umzieht. Ab Oktober desselben Jahres fungiert er auch als Seelsorger der Pfarrei Moggast Die Rekatholisierung im Bereich der vereinigten Pfarreien Wichsenstein-Moggast schreitet in den Anfangsjahren des 30jährigen Krieges nur langsam vorwärts. So berichtet 1628 Pfarrer Konrad Heildörfer, dass die adeligen Untertanen zum größten Teil noch der lutherischen Religion zugetan sind, zugleich auch die alte Zeit feiern und an unseren Festtagen ohne Scheu arbeiten.
Welch rohe Sitten diese Zeit geprägt haben, zeigt ein Vorkommnis des Jahres 1631. Pfarrer Heildörfer und sein Schulmeister werden auf dem Weg zum Gottesdienst nach Moggast von bewaffneten egloffsteinischen Reitern überfallen. Dem ersteren raubt man das Pferd, die Mützen, den silbernen Kelch, Strümpfe und Schuhe, dem letzteren nimmt man den Mantel weg. Sodann wirft man dem Geistlichen einen Riemen um den Hals, schleift ihn einen halben Acker weit und droht ihn an einem Baum aufzuhängen. Schließlich lässt man ihn barfuss und wenig bekleidet liegen. Die spätere Entschuldigung des adeligen Herren dieser Landsknechte wird den beiden Überfallenen nur ein schwacher Trost gewesen sein.
Noch Jahre nach dem Krieg wird Wichsenstein teils von Pretzfeld, teils von Obertrubach aus betreut, ehe es wiederum eigene Seelsorger bekommt Jahrzehntelang leidet die Pfarrei unter der mangelhaften Besetzung. Viele Anhaltspunkte weisen darauf hin, dass sie als Straf- und Besserungsposten angesehen wurde. Erst unter der langen Amtsdauer eines Pfarrers Holzmann (Johann Georg 1701-1713, 1725- 1733) und unter der Persönlichkeit eines Pfarrers Adam Peter Vogel (1733-1739, dann bis zu seinem Tode 1781 Pfarrer in Gößweinstein) konnte sich das Glaubensieben nach innen und außen entfalten (Rohner).
Auf Initiative Vogels wird im Jahre 1765 ein Kaplaneistiftungsfond ins Leben gerufen, dessen Kapital sich 1770 auf über 3000 fl. beläuft. Der Pfründeinhaber soll die angegliederte Pfarrei Moggast betreuen. Von 1765 bis 1825 versehen v.a. Kapuzinerpatres aus Gößweinstein diesen Dienst Ab 1835 übernimmt ein Lokalkaplan mit Sitz in Wichsenstein diese Aufgabe. 1850 wird für den Pfarrsprengel Moggast eine eigene Kuratie errichtet, welche 1920 zu einer selbständigen
Pfarrei erhoben wird.
Die Pfarrei Wichsenstein beschränkt sich damit wieder auf ihren ursprünglichen Umfang, nämlich Wichsenstein, Uhleinshof und Altenthal sowie die im 17. Jahrhundert im Bereich eines früheren Vogelherdes entstandenen Ansiedlungen Sattelmannsburg (mundartl. Hinda Hoad) und Hardt
(mundartl.: Voada Hoad).
Der Priestermangel unserer Tage hat allerdings dazu geführt, dass die Pfarrei Wichsenstein heute vom Kuratus in Niedermirsberg mitbetreut werden muss, obwohl 1982 in unmittelbarer Nachbarschaft des Gotteshauses anstelle eines in seiner Substanz aus dem Jahre 1587 /88 stammenden Pfarrhauses ein Neubau errichtet wurde.
Baugeschichte des Gotteshauses.
Das Gotteshaus, in der Dorfmitte unmittelbar zu Füßen des Burgfelsens an dessen Südseite gelegen, diente ursprünglich dem Geschlecht der Wichsensteiner als Burgkapelle und wird 1372 anlässlich der Kaplaneistiftung erstmals erwähnt. An demselben Platz steht wohl auch die jetzige
Pfarrkirche.
Da 1626 der Vorgängerbau baufällig geworden ist, gestattet das Bamberger Vikariat eine Kapitalaufnahme von 300 fl. in Gößweinstein. Am 14. Januar 1628 werden vom Pfarrer Johann Dötzer in Anwesenheit des Fiskals Wolfgang Ottlein und des Bamberger Baumeisters Johann Bonalino Werkverträge mit einem nicht näher benannten Maurermeister Georg N. (180 II.) und dem Pottensteiner Zimmer- meister Georg Mertz (95 fl.) abgeschlossen, aus denen der Umfang der damaligen Baumaßnahme hervorgeht. Die Mauern des Langhauses bleiben stehen, sie werden aber um 5 Schuh erhöht und zwei Fenster in sie hineingebrochen. Die nach Westen gerichtete Fassade erhält einen gemauerten Giebel. Der Chorturm wird völlig abgetragen und in seiner heutigen Form mit gewölbtem Chor, Chorbogen und achteckigem Aufsatz mit vier Fenstern nach Obertrubacher Vorbild neu errichtet. Die ganze Kirche, errichtet aus Bruchsteinmauerwerk, ist innen und außen zu verputzen und weiß zu streichen. Das Langhaus bekommt einen neuen Dachstuhl, den Turm hat der Zimmermann mit einer welschen Haube samt einer Spitze zu versehen. Mit den Bauarbeiten ist im Mai desselben Jahres bereits begonnen, sie scheinen sich jedoch aufgrund der Zeitumstände bis 1634 in die Länge gezogen zu haben, denn erst in diesem Jahr leihen sich die Kirchenpfleger vom Gotteshaus Gößweinstein 350 fl., welche 1638 mit dem Zehnten auf dem Rockenbühl abgesichert werden.
Am ruinösen Gemäuer des alten Langhauses, am Turm und an der Sakristei hat 1734 der Maurermeister Michael Schweßinger aus Waischenfeld für 21 11 größere Reparaturen vorzunehmen. 1777 führt dessen Enkel Johann Georg Schweßinger die Fassade völlig neu auf, außerdem setzt er neue Fenster und Türen.
Baukosten von insgesamt 396 fl. fallen 1791 an, als der Hagenbacher Maurermeister Georg Völkel die Kirche nochmals um 5 Schuh erhöht und weitere Reparaturmaßnahmen durchführt Die Sakristei wird im Jahre 1848 an den Turm angebaut 1874 /75 setzt man auf den Kirchturm noch ein weiteres Geschoß von 2,80 m Höhe. 1922 erhält die Chorturmkirche schließlich ihr heutiges äußeres Gesicht Verbunden mit einer Innenrenovierung wird das Langhaus um gut 3 m nach Westen erweitert, wobei an die Stelle des geschieferten Giebels ein Walmdach tritt und der Emporenaufgang an die nördliche Außenseite verlegt wird. Die Inschrift A D 1922 über dem Eingangsportal erinnert an diese Baumaßnahme; im Inneren ist die Vergrößerung an der verringerten Mauerstärke im Bereich der Orgelempore noch deutlich zu erkennen.
Hauptaltar
Die Innenausstattung des Gotteshauses stammt weitgehend aus dem 18. Jahrhundert Der Bildhauer Johann Michael Doser aus Auerbach hat 1723 für den Chorraum einen Altar geschaffen, der drei Jahre später von Johann Brückner aus Ebermannstadt gefasst wird. Die geringe Raumhöhe hat nur einen gedrungenen Aufbau zugelassen. In der Mittelnische thront die Holzfigur
des Kirchenpatrons. Die in einem Schriftfeld geäußerte Bitte “St Erhard ora pro nobis“ macht den Heiligen namhaft, der uns in der Fränkischen Schweiz nur hier begegnet Als Wanderbischof lebte er im 8. Jahrhundert und starb als Bischof von Regensburg. Das gläubige Volk hat ihn gerne bei Augenleiden angerufen, er hat bei ihm auch als Beschützer der Viehherden gegolten. Noch heute werden am Patronatstag, dem 8. Januar, die so genannten “Erhardibrötchen“ geweiht und
verteilt.
Seitlich über der Erhardsabbildung befinden sich Statuetten der Hl. Margarethe und Barbara. Den Platz neben dem in späterer Zeit erhöhten Rokokotabernakel nehmen die Figuren der Hl. Johann Nepomuk und Antonius von Padua ein.
Die mit kleinen vergitterten Fenstern versehenen Türen beiderseits des Altars wiesen ursprünglich Kniebänke auf und dienten zum Beichthören. Diese Funktion hat längst ein moderner Beichtstuhl im Eingangsbereich der Kirche übernommen. Entsprechend der liturgischen Reform durch das 2. vatikanische Konzil steht seit der letzten Innenrenovierung im Jahre 1982 unter dem Chorbogen ein der alten Innenausstattung angeglichener Volksaltar, dem die Kommunionbank des Jahres
1726 hat weichen müssen.
Nebenaltäre.
Der Marienaltar aus dem Jahre 1736 ist ein Werk des Bamberger Schreinermeister Franz Thomas, dessen Leistungen samt der Bildhauerarbeit mit 60 II. vergütet werden. Ein Jahr später liefert derselbe Meister den Kreuzaltar, der einschließlich der Bildhauerarbeit auf 40 II. kommt Beide Altäre werden 1739 von Johann Brückner nach der genauen Anweisung von Pfarrer Vogel gefasst und vergoldet. Die weitgehend übereinstimmenden Holzaufbauten mit schräggestellten Säulenpaaren und der glatten Rückwand mit einem kleinen Baldachin über der Mittelfigur sowie die von sitzenden Engelchen begleiteten Auszüge mit einem Flammenherzen, umrahmt von einem Strahlenkranz und umgeben von vier Engeisköpfen, weisen auf die gleiche Künstlerwerkstatt
hin.
Den Mittelpunkt des nördlichen Seitenaltars bildet der Gekreuzigte mit einer knienden hl. Magdalena; flankierend sind der Gruppe die Schnitzfiguren des Märtyrers Sebastian und des vor Feuersbrunst schützenden Florian beigegeben. Da auf dem Altar keine Messen mehr gelesen werden, hat zusätzlich eine neuere Statue des Täufers Johannes Platz gefunden.
Im Zentrum des südlichen Seitenaltars steht eine Muttergottesfigur aus Gips, die dem 19. Jahrhundert zuzuordnen ist. Sie ist an die Stelle des ursprünglichen Mittelbildes, einer Marienfigur des 16. Jahrhunderts, getreten, die heute noch bei Prozessionen mitgetragen, ansonsten aber im Pfarrhaus verwahrt wird. Seitlich sind die Holzfiguren der Hl. Joachim und Anna selbdritt in den Altaraufbau einbezogen. Das Jahr über steht oft noch eine Nepomukstatuette auf diesem
Nebenaltar.
Stilistische Unterschiede der Holzbildwerke bei beiden Nebenaltären legen die
Vermutung nahe, dass sie von ihrem Lieferanten bei verschiedenen Bamberger Bildhauern in Auftrag gegeben worden sind.
Kanzel
Auch die Kanzel an der südlichen Langhauswand stammt aus der Werkstatt von Schreinermeister Franz Thomas. 1737 für 40 II. erworben, wird sie zwei Jahre später von Johann Brückner gefasst. Um Platz zu gewinnen, hat man den Kanzelaufgang abgebaut, den Rest der in der heutigen Messliturgie bedeutungslos gewordenen Kanzel aber aus denkmalpflegerischen Gründen erhalten.
Sonstige Ausstattung
Zwischen Kanzel und Orgelempore hängt zur Erinnerung an die Gemeindemission durch die Bamberger Karmeliter im Advent des Jahres 1962 ein schlichtes großes Kreuz.
An der gegenüberliegenden Langhauswand befindet sich über einer Gedenktafel für die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege der älteste erhaltene Ausstattungsgegenstand, ein Sandsteinrelief aus dem Ende des 14. Jahrhunderts, das seinen Platz bereits in der Burgkapelle des Jahres 1372 gehabt haben dürfte. Den Betrachter anschauend, stehen Maria und Johannes unter dem gekreuzigten Jesus, darüber erhebt sich ein dreibogiges Maßwerk, bekrönt mit Krabben. Die seitlichen Spitztürmchen ruhen auf Konsolen, die als Menschenköpfe ausgebildet sind. Allerdings muss die frühere Funktion des steinernen Bildnisses offen bleiben: Es könnte sich ebenso um ein Altarrelief wie um das Fragment eines alten Grabmales handeln.
Auf derselben Seite hängt unter der Empore ein Kruzifix des 18. Jahrhunderts, das mit einem 1746 für den Chorbogen angeschafften Kreuz identisch sein könnte.
Die Ausstattung vervollständigt ein neugotischer Taufstein, der nun mehr vor dem Marienaltar
seinen Platz gefunden hat
Orgel
Die jetzige Orgel wurde 1982 angeschafft Schon 1738 hatten Ambrosi Köhler und Paul Hofmann
für 100 II. eine Orgel mit sechs Registern eingebaut, die 1858 einer neuen mit 8 Registern weichen musste.
Glocken
Im Jahre 1888 hängen drei Glocken im Kirchturm; eine von ihnen ist 1711 von Johann Conrad
Roth in Forchheim, die andere 1749 von Joachim Keller in Bamberg gegossen worden. Beide haben in Reuth bei Forchheim eine ständige Bleibe gefunden. Bei den jetzigen Glocken handelt es sich um ein neueres Geläute.
Literatur
GLAS, Reinhold: Pretzfeld. Häuser- und Familienchronik eines Ortes in der Fränkischen Schweiz. Erlangen 1994. Die Fränkische Schweiz – Landschaft und Kultur Band 9].
GUTTENBERG, Erich Frh. von / WENDEHORST, Alfred: Das
Bistum Bamberg 2. Teil: Die Pfarreiorganisation. Berlin 1966. [=Germania Sacra 2. Abteilung: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. 1. Band: Das Bistum Bamberg].
HELLDORFER, Ludwig: Gößweinstein. Burg, Amt, Kirche, Gemeinde. Gößweinstein 1974.
HILLER, Friedrich: Die Kirchenpatrozinien des Erzbistums Bamberg. Bamberg 1932.
KUH R, Georg: Ritterschaftliches Pfarrerbuch Franken. Neustadt/Aisch 1979. [= Einzelarbeiten aus der Kirchengeschichte Bayerns Band 58].
KUNSTMANN, Heilmut: Die Burgen der westlichen und nördlichen Fränkischen Schweiz. 1. Teil: Der Südwesten, unteres Wiesenttal und Trubachtal. Würzburg 21971. [= Veröffentlichungen
der Gesellschaft für fränkische Geschichte IX. Reihe: Darstellungen aus der fränkischen
Geschichte Band 28].
LOOSHORN, Johann: Geschichte des Bisthums Bamberg 3. Band: 1303-1399. München 1891. MAYER, Heinrich: Die Kunst des Bamberger Umlandes. Bamberg 21955 PFANNER, Josef: Landkreis Pegnitz. München 1965. [= Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Oberfranken 2. Band: Landkreis Pegnitz].
Die PFARREIEN des Erzbisthums Bamberg. Statistische Notizen. Bamberg 1888.
POSCHARSKY, Peter: Die Kirchen der Fränkischen Schweiz. Erlangen 1990. [= Die Fränkische Schweiz - Landschaft und Kultur Band 61.
REALSCHEMATISMUS des Erzbistums Bamberg 1. Band. Bamberg 1960.
ROHNER, Aquilas: Geschichte der Pfarrei Moggast. Unveröffentlichtes Manuskript
1950.
ROPPELT, Johann Baptist: Historisch-topographische Beschreibung des Hochstifts und Fürstenthums Bamberg. Nürnberg 1801. SCHADLER, Alfred: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Pegnitz. München 1961. [r Die Kunstdenkmäler von Bayern. Regierungsbezirk Oberfranken 2. Band: Landkreis Pegnitz].
SCHNELBÖGL, Fritz / HOFMANN, Hanns Hubert: Gelegenhait der landschaft mitsampt den furten und helitten darinnen. Hersbruck 1952. [= Schriftenreihe der Altnürnberger Landschaft Band 1J.
VOLLET, Hans: Weltbild und Kartographie im Hochstift Bamberg. Kulmbach 1988. [ Die Plassenburg Band 47].
Copyright: Alle Rechte vorbehalten









